Beschlagnahmungsbericht

zu Freitag der 13. Teil 4 - Das letzte Kapitel

(1984)

"Die Einziehungsbeteiligte des FSK 18-Titels ist Herausgeberin und Vertreiberin des Video-Farbfilms‚ Freitag der 13. - Das letzte Kapitel‘. Es handelt sich hierbei um eine Kopie des 1984 in den Vereinigten Staaten von Amerika hergestellten Kinospielfilms gleichen Titels, der seit 1985 in der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), Wiesbaden, für Kinder und Jugendliche nicht, sondern lediglich für Zuschauer ab 18 Jahren freigegeben. Mit Beschluß vom 25.07.1985 nahm die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den Videofilm ‚Freitag der 13. - Das letzte Kapitel' in die Liste der jugendgefährdenden Schriften auf. Diese Entscheidung enthält folgende Überlegung, wie sich die Kammer durch Inaugenscheinnahme des Videofilms am 09.11.1989 überzeugt hat, zutreffende Inhaltsbeschreibung des indizierten Videofilmes ‚Freitag der 13. - Das letzte Kapitel‘:

Der Film beginnt mit einer kurzen Rückblende, in welcher die Herkunft des Monsters Jason erklärt wird. Es handelt sich hierbei (vermutlich) um einen Jungen, der in einem See ertrank, dessen Leiche jedoch nie gefunden wurde. Jason mußte als kleiner Junge mit ansehen, wie seine Mutter enthauptet wurde. Dafür nimmt er nun, in Gestalt eines Monsters, an jedem, dem er begegnet, Rache.

Die Handlung des vierten Teils setzt dort ein, wo der dritte Teil endete. Der Zuschauer erfährt zunächst einmal das Resultat von Jasons letzten Taten: 10 Tote (7 Jungen und 3 Mädchen). Jasons Lebensgeister (er befand sich ebenfalls unter den Opfern) werden jedoch in der Kühlbox des örtlichen Krankenhauses reaktiviert. Der Wächter Axel, der Jasons Box nicht richtig verschloß, muss diese Unvorsichtigkeit auch prompt mit dem Leben bezahlen. Jason trennt ihm mit der Säge den Kopf vom Rumpf ab. Jasons nächstes Opfer findet sich ebenfalls gleich im Krankenhaus. Es handelt sich hierbei um eine Schwester, die von dem Monster erstochen wird.

Der Ort des Geschehens wechselt nun zu einem See, dem Chrystal Lake, an dem Jason schon früher sein Unwesen getrieben hat. Dem Zuschauer werden zunächst einmal die künftigen Opfer vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Mutter, die mit ihrer erwachsenen Tochter und ihrem ca. 10-12jährigen Jungen Tommy in einem Landhaus in der Nähe des Sees wohnt, um dort ihre Ehekrise auszusitzen. Von der Mutter erfährt der Zuschauer auch, daß ins benachbarte Haus sechs junge Leute einziehen.

Von Jasons Anwesenheit am Ort des Geschehens erfährt der Betrachter erstmals dadurch, indem er sieht, wie das Monster den Kopf einer Anhalterin zerquetscht. Zwar ist dieses Zerquetsche nicht im Bild sichtbar, dafür aber um so besser hörbar. Gezeigt wird in Nahaufnahme lediglich, wie das Blut der Frau über deren Hand rinnt.

Über Charaktere und Beziehung der sechs jungen Leute zueinander erfährt der Zuschauer erst nach deren Ankunft im Landhaus. So z.B., daß Jimmy ein asexueller Blindgänger ist, daß Sam es nur mit Paul ‚macht‘ und daß Sarah noch nicht ‚hat‘, aber gerne mit Cough ‚würde‘.

Am nächsten Morgen begeben sich die Teenager zum See. Unterwegs belehrt Ted den ‚Blindgänger‘ Jimmy, da man sich niemals von der gleichen Schnecke zweimal abservieren lassen darf (gemeint ist Jimmys ‚Verflossene‘) und daß er sich lieber eine neue aufreißen soll. Gelegenheit dazu erhält Jimmy auch sofort, als die zwei hübschen jungen Zwillingsschwestern Tina und Terry auftauchen. Die beiden begleiten die Gesellschaft zum See und zur anschließenden ‚Fete‘, welche im Landhaus ‚steigt‘. Als sich Paul auf der Fete zu sehr mit Tina beschäftigt, wird Sam die Luft zu ‚dick‘, und sie geht daher lieber an den See schwimmen. Nachdem sie sich entkleidet hat, schwimmt sie zu einem auf dem See schwimmenden Schlauchboot, in der wohlbegründeten Hoffnung, daß Paul ihr folgen wird. Anstelle dessen kommt jedoch zunächst Jason. Dieser stürzt sich auf das bäuchlings im Boot liegende Mädchen und sticht ihr ein Messer so wuchtvoll in den Bauch, daß dessen Spitze am Rücken des Opfers, gut sichtbar, wieder herausragt. Als er dann mit dem Messer zu schneiden beginnt, vermag sein Opfer nur mehr gutturale Laute von sich zu geben.

Nächstes Opfer des Schlächters ist Paul, der sich mittlerweile eines besseren besonnen hat und Sam an den See gefolgt ist. Nachdem er die verstümmelte Leiche des Mädchens gefunden hat, flieht er voller Entsetzen. Als er sich an einem Steg aus dem Wasser herauszieht, sticht ihm Jason, der sich unter dem Steg im Wasser befindet, eine Harpune in die Genitalien. Anschließend feuert er die Harpune ab, so daß sein Opfer, gleich einem Fisch an der Harpune, aufgespießt, in den See zurückkatapultiert wird. Terri, die die Fete frühzeitig verläßt, erbost darüber, daß sich ihre Schwester mittlerweile mit Jimmy hinter verschlossener Schlafzimmertür vergnügt, wird Jasons nächstes Opfer. Das Mädchen wird vor dem Haus umgebracht, was im Film jedoch nicht zu sehen, sondern lediglich zu hören ist. Ebenso verhält es sich bei der Mutter des Nachbarhauses, die bei der nächtlichen Suche nach ihren beiden Kindern Jason in die Hände fällt. Ihren Tod erfährt der Zuschauer nur durch einen Schrei. Gewissermaßen als Entschädigung dafür, daß bei den letzten Morden ‚nur‘ Schreie zu hören waren, wird das Abschlachten des 8. Opfers wieder explizit in Ton und Bild dargestellt. Bevor Jimmy und Tina ‚noch eine Runde machen‘, möchte sich letztere noch schnell über den Verbleib ihrer Schwester Terri informieren. Diese Gelegenheit nutzt Jimmy, um Ted mit Hilfe von Tinas Slip zu beweisen, daß er doch kein Blindgänger ist. Dieser Umstand soll natürlich begossen werden. Während sich Ted vor einem Film amüsiert, der nackte Filmdiven aus der Stummfilmära präsentiert, sucht Jimmy in der Küche nach einem Korkenzieher. Dieser wird ihm jedoch von Jason, der sich mittlerweile Zugang zum Haus verschafft hat, so in den Handrücken geschlagen, daß Jimmy an der Tischplatte ‚festgenagelt‘ wird.

Geradezu epische Breite erfährt der Film im folgenden, als es darum geht, Tinas Tod ins Bild zu setzen. Während sie aus einem Fenster im 1. Stock des Hauses nach ihrer Schwester Ausschau hält, wird sie urplötzlich von Jason durch die Scheibe ins Freie geschleudert und schlägt auf einem Autodach auf. Unter der Wucht des Aufpralls bersten die Fensterscheiben des Fahrzeugs. Da diese Sequenz in Zeitlupe zu sehen ist, wird das brutale Moment dieser Tat besonders intensiv und effektvoll herausgestellt. Im folgenden ist dann zu sehen, wie die noch verbleibenden drei Personen des Hauses ums Leben kommen. Die Tötungsakte werden, wie gehabt, von Fall zu Fall etwas modifiziert (Ted und Cough mit dem Messer, Sarah mit der Axt).

Zwischenzeitlich erfährt Trish durch Robert von der Existenz Jasons. Robert ist ein junger Mann, dessen kleine Schwester in einem der vorangegangenen Teile des Films getötet wurde. Bei dem Versuch, Hilfe herbeizuholen, entdeckt Trish das blutige Resultat von Jasons Massaker. So z.B. Cough, der mit einem Messer im Rücken, gleich einem Stück Vieh, an die Wand genagelt ist. Sein vorerst letztes Opfer findet Jason dann in Robert, den er mit einem Hammer erschlägt.

Im blutigen Schlußszenario macht Jason Treibjagd auf Trish, wobei ihm die Leiche Roberts (in dessen Kopf noch der Hammer steckt) als Wurfgeschoss dient, als es darum geht, ein Fenster einzuschlagen. Dem kleinen Tommy bleibt es nun vorbehalten, Jason zu töten und somit seine Schwester zu retten! Um dem Massenmörder einen würdigen Abgang zu verschaffen, erachten es die Macher des Films als notwendig, wiederum das stilistische Mittel der Zeitlupe anzuwenden.

Als es Jason gelingt, Trish in der Wohnung zu stellen, wird ihm von Tommy hinterrücks der Kopf abgeschlagen. Tommy bedient sich dabei einer Machete. Als sich der am Boden liegende Körper von Jason daraufhin noch rührt, schlägt Tommy, mit haßverzerrtem Gesicht, mit der bluttriefenden Machete auf Jason ein und richtet an ihn die lautstarke Aufforderung, doch endlich zu sterben.

Mit Beschluß vom 20.02.1989 und Berichtigungsbeschluß vom 15.03.1989 hat das Amtsgericht die Einbeziehung sämtlicher im Besitz der bei ihrer Verbreitung oder Vorbereitung mitwirkenden Personen befindlichen oder öffentlich ausgelegten oder beim Verbreiten durch Versenden noch nicht dem Empfänger ausgehändigten, sowie sämtliche beschlagnahmten Video-Spielfilm-Kassetten mit dem Titel ‚Freitag der 13. - Das letzte Kapitel‘ angeordnet.

Hiergegen richtet sich die form- und fristgerecht eingelegte sofortige Beschwerde. Die Beschwerde des Einziehungsbeteiligten L. ist, soweit sie in eigener Person eingelegt wurde, unzulässig. Die Beschwerde der Einziehungsbeteiligten zu FSK18 ist zulässig, jedoch unbegründet. Das Amtsgericht sieht in zutreffender Weise durch die Verbreitung des Videofilms ‚Freitag der 13. - Das letzte Kapitel‘ den objektiven Tatbestand des §131 Abs. 1 StGB erfüllt. Es handelt sich bei dem Videofilm um eine Schrift i.S. der §11 Abs. 3, 131 StGB, die grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildert, die eine Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt und die das Grausame des Vorganges in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt.

Die Kammer konnte sich durch Inaugenscheinnahme davon überzeugen, daß sich der wesentliche Inhalt des Filmes ‚Freitag der 13. - Das letzte Kapitel‘ auf eine fortlaufende Darstellung grausamer Tötungen von Menschen beschränkt. Dabei wird die Zufügung von Schmerzen und Qualen sowie die Verletzung und Verstümmelung menschlicher Körper minutiös und in vielfältiger Weise geschildert. Zur Verstärkung des erstrebten Horroreffekts werden zudem einzelne Gewaltanwendungen in Großaufnahme und in Zeitlupe gezeigt. Die somit gegebene Schilderung grausamer Gewalttätigkeiten gegen Menschen drückt zum einen eine Verharmlosung dieser Gewalttätigkeiten aus. Die Filmsequenzen zwischen den einzelnen Gewalt- und Tötungsdarstellungen verbinden diese notdürftig durch eine völlig nebensächliche, keinen weiteren Inhalt vermittelnde Rahmenhandlung. Dem gesamten Film ist keine inhaltliche Mitteilung über die ausführliche Darstellung der einzelnen Greueltaten hinaus zu entnehmen. Vielmehr beschränkt sich die Botschaft für den Zuschauer auf ständige Horroreffekte, hervorgerufen allein durch variationsreiche Schilderungen einer Vielzahl blutiger Tötungshandlungen, deren Grausamkeit somit Selbstzweck ist. Dies stellt eine Verharmlosung solcher Gewalttätigkeit i.S.d. §131 StGB dar."

 

 

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